Einen Steinwurf weit entfernt von Lissabon liegt ein Örtchen namens Sintra. Die Meisten unternehmen einen Tagesausflug dorthin um die jahrhunderte alten Paläste anzusehen. Weil Sintra nicht groß ist, kann man die Schlößchen, Burgen und Villas in aller Schnelle an einem Tag besichtigen. Die Neugierigen werden am Morgen mit Bussen angekarrt und am Abend erschöpft wieder eingesammelt.

Wir haben dort ein paar Tage und Nächte verbracht. Entdeckt haben wir dabei einen Märchenwald, indem auch gewöhnliche Häuser mit verschieden hohen Türmchen genauso prunkvoll aussehen, wie die umliegenden Schlösser.

Wie zu jedem Märchenwald gehört auch in Sintra ein mysteriöses Geisterhaus dazu. Ein prächtig, grüner Garten wuchert um das leicht erhöhte Haus herum. Vor dem Haus fällt ein besonders großer Baum auf. Er ist der einzige, der kein Grün trägt. Kahl steht er vor dem verbarrikadierten Haus und wacht über den Eingang. Nur durch den Wintergarten kann man das Haus betreten. Dabei ist dieser der einzige Raum mit genügend Lichteinfall um die Mosaike an den Wänden und auf dem Boden zu betrachten. Das Innere des Hauses ist zumeist abgedunkelt, die Fensterläden sind verschlossen. Wir gehen einmal zügig durchs Haus um schnell wieder in den grünen Garten zurückzukehren.


Dieser erscheint wie ein kleines Labyrinth. Neben einem Teich finden wir eine kleine Grotte, von der man über den Teich in den Garten hinaus sehen kann. Einige Gänge führen in die Erde neben den Teich. Oder unter den Teich? Es tropft zumindest so stark von den Decken, dass man meint die Gänge müssen unter dem Teich liegen. Da kommt dann auch schnell wieder mein innerer Angsthase zum Vorschein und Julia muss am Eingang rufen, damit ich ihre Stimme höre und den Rückweg finde.

Die moosbewachsenen Steine aus dem 9. Jhd. werden von der Sonne angestrahlt und gemeinsam mit den vielen Farnen verleihen sie dem Märchenwald eine schöne und vor allem ruhige Atmosphäre. Angelehnt an den Schlosszinnen kann man das Tal überblicken und entdeckt, dass der Wald um Sintra gespickt ist mit Türmchen besetzen Häusern und Schlösschen.

Und dann kommt das Märchenschloss. Wir, die drei Prinzessinnen, machen uns auf den steilen Weg den Berg zum Schloß hinauf auf um die Prinzen von ihrem Leid zu erlösen. Mit großen Schritten und einer heroischen Stimmung kämpfen wir uns nach oben. Einige wunderbar beschriebene Tafeln bereiten uns auf das vor, was uns erwartet und erläutern uns die Lebensweise in diesem Gebäude. Und dann.. aus der Traum. Ganz viele Füße, Beine, ganze Touristen. Viele davon! Sie stehen im Weg und klicken bedrohlich mit ihren Kameras.

Erst im dazugehörigen Schlosspark wird es wieder schöner. Sogar wieder mächenhaft. Und so kommt die gefühlte Prinzessin wieder zum Vorschein und begrüßt Alice, die gerade in einem Kanninchenbau verschwinden möchte.

Mitten in dem kleinen Dorf steht der Palácio Nacional de Sintra. Er ist architektonisch faszinierend gebaut. Man kann noch die Lachen der rennenden, tobenden Kinder hören die, so meine Phantasie, hier wild gespielt haben. Bis ich das erste, zweite, dritte Porträt sehe und entsetzt bin. Die Menschen waren hässlich!

Die Frau, die aussah wie ein Mann. Und umgekehrt!

Der Mann mit der gigantisch schrägen Nase.

Der Mann, der schwitzt wie ich ein Porträt noch nie habe schwitzen sehen.

Diese Persönlichkeiten haben in einer Einrichtung gelebt und in Betten geschlafen, die ihrer Hässlichkiet gerecht werden. Es ist ein beinahe schokierender Stil der nach dem König benannt wurde, der diesen einführte: Manuline.

Ausflug zur Küste…



4 Comments

  1. Gisela Voss-Goerge

    Hallo Missia,
    die angesprochene Küstenwanderung interessiert mich! Kannst du mir Näherers verraten? Wir planen Sintra im Mai und sind dann 3 Tage vor Ort.
    LG
    Gisela

  2. winter hier = leichtes leben lissabon! schau ich mir alles an, schon bald.

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