In Skandinavien war ich mit einer kleinen Ausnahme noch nie. Zumindest war ich nie in skandinavischer Natur. Und obwohl Finnland
streng genommen nicht wirklich dazugehört kam es den Beschreibungen diverser Skandinavien Urlaube meiner Freunde sehr nah.

Es ging von Helsinki aus durch weite Felder, an kleinen Wäldchen vorbei Richting Kimitoön. Hier und dort sah man ein paar farbige Häuser, die ordentlich in die Landschaft platziert worden waren. Unterwegs stiegen immer wieder Leute ein. Sie warteten an Haltestellen, die sich im Nichts befanden. Mitten im Feld, an einem kleinem Waldweg oder neben einem See. Irgendwo im Nirgendwo.

Ein außergewöhnlich gekleideter Mann stieg mit vor Stolz geschwollener Brust ein und zahlte Kaugummi kauend sein Ticket. Dabei rutschte ihm seine goldene Sonnenbrille etwas tiefer auf die Nase. Als er an uns vorbei ging, bemerkte ich, dass ein Stofftaschentuch aus seiner Sakkotasche lugte. Er fiel ganz schön aus der Reihe mit seiner Extravaganz! Ein roter Sakko mit blauer Hose – das sieht man hier wohl nicht allzu häufig hier. Normalerweise sind die Personen sehr schlicht gekleidet, pragmatisch angepasst an das raue Landleben in Finnland, wo es die meiste Zeit des Jahres dunkel ist.

Unser Glück, dass es Sommer ist und wir die Sonne sogar bis 10 Uhr am Abend genießen konnten!

Zwei Mal sind wir umgestiegen um letzten Endes über eine kleine unscheinbare Brücke die Insel Kimitoön zu erreichen. An einem der südlichsten Orte stiegen wir dann endlich aus dem Bus aus. Taalintehdas ist ein Ort, der gefühlt am Ende der Straße liegt und in dem maximal fünf Häuser stehen. Aber es gibt zwei Supermärkte, einen Laden für alles, einen Liquor Store, zwei Restaurants und die Keramikwerkstatt von Britt-Marie. Bei Britt-Marie konnten wir über Nacht bleiben. Sie informierte uns ganz mütterlich noch spät am Abend per E-Mail wann sie am nächsten Tag Frühstück auftischte und lieh uns ihr Ruderboot mit dem wir uns auf einen wenig erfolgreichen Angelausflug begaben. Kein einziger Fisch hatte Appetit auf unsere Köder!

Über das kleine Dorf herrschte allwachend die stillgelegte Stahlfabrik. Damit sie niemand vergisst, brummte sie wie eine alte, sterbende Hummel. Tag und Nacht. Von ihrer Fassade starren stumm Buchstaben auf uns herab. Dalsbruk! Dalsbruk ist der schwedische Name für Taalintehdas, denn hier auf Kimitoön wird zumeist schwedisch gesprochen. Deswegen wachsen die meisten Menschen hier zweisprachig auf.

Englisch scheint jedoch erst bei den jungen Generationen gefruchtet zu haben. Die Frau im Touristenbüro verstand kein Wort und konnte uns auch nur mit finnischen oder schwedischen Broschüren weiterhelfen. Die Kellner im Restaurant murrten in kühler, nordischer Art um unserer Bestellung zuzustimmen. Als wir eine freundliche Kassiererin fanden fragten wir sie sofort aus: Was kann man machen? Wo können wir hingehen? Sie war ratlos!

Dabei brauchte sie es gar nicht sein. Mit dem Fahrrad ein paar Pedalentritte entfernt entdeckten wir einen Rundweg um zwei Teiche herum. Die Natur in der Umgebung war genau, dass was ich erwartet hatte. Ruhe! Seen umrahmt von grünen Bäumen und blauem Himmel. Seerosen, die still um die Wette eifern, wer die schönste ist. Und mitten drin sind wir und machen Pfannkuchen mit selbst gepflückten Himbeeren.

One Comment

  1. Wow! Tolle Bilder! Ich muss da jetzt auch mal unbedingt hin.

    LG
    Andrea

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