So einfach ist das mit Lissabon. Sie ist auf den ersten Blick schnell kennenzulernen. Sie zeigt sich offenherzig, freut sich über Besucher und zeigt was sie hat. Überall begegenet uns die Lockerheit und der Charm südeuropäischer und teilweise brasilianischer Kultur. Dadurch offenbart Lissabon eine unbeschreibliche Wärme und Herzlichkeit, die uns willkommen heißen. Meistens waren es aber die Gesichter der Lissabonner, die uns umgarnt haben und uns für ihre Stadt gewonnen haben. Ihr Lächeln ist offen und freundlich. Sofort haben wir uns zu Hause gefühlt.





In einer kleinen Bar unterhalb des Schlosses São Jorge wird deutlich, wie wohl wir uns hier fühlen. Nach einigen Stunden wirrem Durch-die-Stadt-Laufens, Die-Gebäude-hoch-Starrens und Viel-Fotografierens hatten wir unsere Bar entdeckt. Gefühlt sind wir schon immer hier her gekommen um unseren Kaffee zu trinken und etwas Ruhe zu genießen. Arbeiter und Büroleute kehren ein, trinken im Stehen ihren Espresso und halten ein Schwätzchen mit dem Besitzer und seiner Frau. Der Raucher unter ihnen hält seine Tasse draußen in der Hand und wird von der Unterhaltung im Inneren der Bar nicht ausgeschlossen. Eine alte Dame mit Einkaufstüten bestellt beim Eintreten ihren Kaffe und begrüßt den Enkel des Besitzers. Wie die Schule denn war? Eine verhaltene Antwort des Jungen macht klar, dass er nicht darüber reden möchte. Sie schüttet all ihre Moneten auf dem Tisch hinter mir aus und der Besitzer winkt ab. Die ganze Situation strahlt so viel Wärme und Freundlichkeit aus, die man als Nordeuropäer mit dem faszinierenden, südeuropäischen Lebensgefühl verbindet. In dieser kleinen Bar haben wir uns einfach sofort zu Hause gefühlt.



Doch Lissabon zeigt sich an einigen Stellen auch verwirrend anders. Hier und dort heben sich Gebäude mit skurril, geometrischen Formen von der restlichen Architektur ab. Dadurch muss ich immer wieder an den Film Metropolis denken. Diese Gebäude sind in Lissabon unauffällig integriert und dennoch wirken sie wie aus einer anderen Welt. Auch kommt mir die Stadt an vielen Stellen doch wieder etwas distanziert und strickt vor. Vielleicht ein Vermächtnis der englischen Besetzer?





Wendet man sich ab, so sieht man wieder diese romantischen Gebäude mit ihren bemalten Fliesen. Und plötzlich, einige Straßen weiter steht man dann mitten im Labyrinth der Alfama. Hübsch geschmückt und erfüllt von der ewigen Sehnsucht der Fadistas verläuft man sich gern in den kleinen Gassen. Persönlich habe ich trotz allgemeiner Musikbegeisterung Abstand zum Fado genommen. Er ist mir auf die Dauer einfach zu schwer. Die Straßen der Alfama sind für mich dennoch als besonders schöne Straßen in Erinnerung geblieben.





12 Comments

  1. Du sprichst mir aus der Seele! Ehrlich, der Einleitungstext hätte so auch von mir stammen können. 😉 Lissabon ist so verzaubernd, facettenreich, warmherzig und wunderschön, dass auch ich zurückkommen werde. Als der Bus bei meiner Rückfahrt einen Schlenker über die unglaublich lange Autobahnbrücke zurückgemacht hat, hab ich den Sonnenuntergang überm Tejo noch mitnehmen können. Wer sich so verabschiedet, der wird wieder besucht!

  2. und ich schwirre in berlin umher
    um dich mal wieder zu sehen
    doch die welt ist gross und auch klein

    vielleicht ein andermal
    ziehe lachend weiter

    markus r. frd. zimmerer
    8fest d.nationen 2011

  3. In quel momento mi è venuta più spontanea la lingua germanica!

  4. Mann, jetzt will ich sofort nach Lissabon!

  5. Tolle Fotos. In Lissabon liegt die Schönheit wortwörtlich im Detail. 🙂

  6. Fotos und Text geben den Charme der Stadt wieder. Mir hat die Sehnsucht gepackt, nochmals hinzufahren.

  7. toll! ach, lissabon! im winter wieder… 🙂

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