Zwei Kleider und einen Blazer habe ich mir gekauft. Ich teile diese Infomation mit euch, weil es kein normaler Einkauf war, den ich da getätigt habe. Es war ein Erlebnis. Und dieses hat einige Tage gedauert.

Um sechs Uhr morgens wurden wir aus dem Bus geschäucht und standen verschlafen einigen Taxifahrern gegenüber.

„You need taxi!“
„No, thank you.“
„Where you go?“
„-“
„Where you from?“
„Europe.“

Europe hilft meistens, denn sie kennen die Hauptstadt von Europa nicht und wissen nicht mehr weiter. Dennoch:
„You need taxi to hotel?“
„NOOOOO!“

Verschlafen wanken wir vom Bus weg und überlassen unsere Mitreisenden der Taxifahrerhorde. Keine fünf Minuten später fährt eine junge Dame mit ihrem Roller neben mir her.

„Hellooo, where you frooom? How long you staaay? Where you staaay?“
„We do not want to have anything tailored“
Weg ist sie.

Wir sind in Hoi An angekommen. Hier tümmeln sich die Schneider Vietnams. Die wunderschöne Stadt mit ihrem Gemisch aus europäischer, japanischer, chinesischer und vietnamesischer Architektur wurde von ihnen eingenommen. Hier findet man einen Schneider hinter dem anderen. Aus fast jedem der alten Häuser sieht man die schönen Seidenstoffe glitzern. Oft kommen Frauen auf Rollern oder Fahrrädern angefahren und versuchen einen davon zu überzeugen, dass sie gut und günstig speziell für dich angefertigte Kleider und Anzüge schneidern. Nach einiger Zeit lernt man damit umzugehen und behauptet ganz einfach man hätte sich schon komplett ausgestattet. Dann sind sie ganz schnell weg. Man lernt jedoch auch ihren ganz speziellen Singsang auswendig:
„You want buuuy? Special price, special priiice.“ schallt es aus allen Ecken. Betritt man den Stoffemarkt, so überschlagen sich die Stimmen und die einzige Chance die man hat ist wieder hinauszueilen.


Es hat zwei Tage gedauert bis wir zwischen Tipps aus dem Internet und eigener Recherche einen Schneider gefunden haben der uns gefallen hat. Das hatte zum größten Teil mit den Stoffen und Schnitten zu tun, die der Schneider angeboten hat. Aber auch die Atmosphäre hat einen großen Teil beigetragen. Es gibt Schneider die einen bedrängen und einem genau das aufschwatzen, was sie eh schon immer genäht haben. Und es gibt Schneider die einen wirklich beraten und einem helfen das auszuwählen mit dem man zufrieden ist. Meine Beraterin Sandy war ganz hervorragend und hat mir geduldig geholfen die Kleider und den Blazer so zu gestalten wie ich es wollte. Sie hat mir etwas zu den Stoffen erzählt und mir genau erklärt wieso welcher Stoff funktioniert oder nicht funktioniert.

Nach einigen Tagen umsehen, vermessen und diversen Anproben habe ich genau die Kleidung erhalten, die ich mir gewünscht habe.

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